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  Liebende in der U-Bahn
Schultheater auf Profi-Niveau am Leibniz-Gymnasium
aus "Der Bote" vom 15.03.2016


ALTDORF - Auch in diesem Jahr haben die Schüler des Leibniz-Gymnasiums ein sehenswertes Stück auf die Bühne gebracht: "Die Liebenden in der Untergrundbahn" von Jean Tardieu. Pertra Vetter und Walter Flintsch verabschieden sich nach 23 und 33 Jahren Theaterarbeit.

Wenn der französische Theaterautor Jean Tardieu zwei Liebende süße Phrasen säuseln lässt, klingt es wie eine Grammatik-Lehrstunde in Konjugation: "Ich bin nichts. Du bist gekommen: Ich bin! Ich bin bei Dir. Ich war nichts ohne Dich. WIR sind! Sag: Wir werden sein. Wir werden sein! Ich möchte Du sein! Du bist ich!" Solche Dialoge funktionieren nur dank des sicheren Spiels der Darsteller Romy Eichler und Jakob Albrecht, deren Ausdruck und Betonung auf den Punkt passen.

Die Sprachakrobatik wird immer wieder unterbrochen von kurzen, skurril-komischen Szenen: Da vertauschen ein Mönch und ein Passant die Lektüre und plötzlich hält der Geistliche statt des heiligen Paulus einen Marquis de Sade in den Händen. Später drängelt sich der verliebte junge Mann durch eine gerammelt volle U-Bahn, um zu seiner Herzensdame zu kommen - angesichts der gesprächigen Mitfahrer kein leichtes Unterfangen.

Und dann wäre da noch jener verträumte Reisende am Auskunftsschalter (Jan Daumin), dem eine herrlich spröde Beamtin (Antonia Lutz) statt der gewünschten Verbindungsdaten jede Einzelheit seines Schicksals doziert, Ernährungstipps und Horoskop inklusive.

Auch in diesem Jahr liegt das Niveau der Inszenierung weit über dem einer typischen Schultheater-Aufführung. Die jungen Schauspieler und Schauspielerinnen treffen stets den richtigen Ton und stahlen Sicherheit aus.

Das ist nicht zuletzt der 23-jährigen Erfahrung ihrer Regiesseurin Petra Vetter geschuldet, die von Schulleiterin Regina Fleischer nach dem Applaus nochmals dafür gewürdigt wird. Vetter und ihr Mitstreiter Walter Flintsch, der seit 33 Jahren dem Schultheater die Treue hält, werden dieses Jahr trotzdem zum letzten Mal eine Produktion leiten - eine bewusste Entscheidung, die jedoch nicht leichten Herzens getroffen wurde, wie beide betonen. Sie wolle jetzt ein verlängertes Sabbatjahr einlegen, erzählt Vetter.

In guten Händen
Die nächsten Produktionen seien aber in sehr guten Händen: Agnes Voss-Börschmann hat bereits bei der Unterstufengruppe Regie geführt und auch die Arbeit am aktuellen Stück begleitet. Ihr zur Seite steht in Zukunft Rudi Linhardt als Technik-Manager.

"Ich freue mich schon darauf, beim nächsten Mal als Zuschauer ganz entspannt im Publikum sitzen zu dürfen", gesteht Vetter. Sie hat es sich mehr als verdient.

Heute, 15. März, um 20 Uhr, wird "Die Liebenden in der Untergrundbahn" noch einmal in der Theateraula des Gymnasiums aufgeführt. Die Abendkasse hat um 19 Uhr geöffnet. Vorbestellungen sind möglich über das Sekretariat der Schule unter 09187 409150.

Frank Erik Walter

 
last update : 01.05.2018
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